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Antwort auf einen Kommentar zu den Corona-Artikeln: Ich lasse mich nicht impfen, weil….

Ich habe auf die beiden Corona-Artikeln „Darf man falsche Fakten als Meinung vertreten und wie reagiert man darauf?“ (13.12.2020) und „Der Fall von zwei Personen, die wegen der Corona-Impfung auf die Intensivstation mussten“ (20.12.2020) einen Kommentar bekommen von einem Corona-Impfgegner, der der Impfung in sarkastischem Ton widersprochen hat. Da dies ein ganz typisches Argument für Corona-Impfgegener ist, möchte ich diesen Kommentar beispielhaft behandeln, mit Fakten und den Meinungen einschlägiger Experten begegnen und am Ende selbst eine Schlussfolgerung ziehen. Ob das wohl die gleichen Schlussfolgerungen sind, die unser Impfgegner gezogen hat? Wir werden sehen…

Aussage: (Sarkasmus) „Ja, jetzt werde ich mich auch impfen lassen. Denn ich möchte bei einem Virus mit mind. 99% Überlebenswahrscheinlichkeit keine unnötigen Risiken eingehen. Vor allem da die möglichen Langzeitfolgen (wie z. B. Krebs oder Autoimmunerkrankungen) durch die umfangreichen Tests der letzten Monate durchweg ausgeräumt wurden.“ ((Kommentar eines Users auf Diaspora*))

Wie schlau ist es, Zahlen einfach so in den Raum zu werfen?

Du darfst gerne auch eine andere Meinung haben. Aber hast du Faktenlagen recherchiert bzgl. der Überlebenswahrscheinlichkeiten? Deine 99% sind nur so grob geschätzt und in den Raum geworfen. Frage: Wie verhält sich die Zahl der Toten erwartungsgemäß, wenn geimpft wird und wenn nicht? Man zeigt Intelligenz, in dem man mit Fakten argumentiert und diese auch belegen kann.

Fakten vom Robert Koch Institut, Worldometer sowie Our World in Data und das Covid-19-Dashboard

Für uns von besonderem Interesse ist das COVID-19-Dashboard. Hier gibt es detaillierte Informationen. Folgende Zahlen sind Angegeben.

  • 7-Tage-Inzidenz = Neuinfekt. in den letzten 7 Tagen je 100.000 Einwohner
  • 7-Tage-Fallzahl = Neuinfektionen in den letzten 7 Tagen insgesamt
  • COVID-19-Fälle insgesamt & zum Vortag
  • COVID-19-Todesfälle insgesamt & zum Vortag
  • Aktive COVID-19-Fälle insgesamt & zum Vortag
  • Genesene COVID-19-Fälle insgesamt & zum Vortag
Fallzahlen und Inzidenzen vom COVID-19-Dashbord des RKI vom 26.12.20 um 12:30 Uhr

Nun berechnen wir die Mortalität im Sinne des Fall-Verstorbenen-Anteils, in Englisch case fatality rate (CFR), d.h. der Anteil der Personen mit einer durch einen Test offiziell bestätigten COVID-19 Infektion, die an der Erkrankung sterben.

\begin{aligned}
\textnormal{CFR} &= \frac{\textnormal{Anzahl der Verstorbenen unter den Diagnostizierten}}{\textnormal{Gesamtzahl der diagnostizierten Fälle}}\\
&= \frac{29.422}{1.627.103}\\
&= 1,81 \%
\end{aligned}

Wir haben also 1,81% mit oder an Corona verstorbene gemäß Fall-Verstorbenen-Anteil. Das sind schon mal mehr als uns der Kommentator glauben machen wollte, denn er behauptete wir hätten weit weniger als 1% („99% Überlebenswahrscheinlichkeit“).

Sehr wohl bekannt ist jedoch, dass hier auch Menschen enthalten sind, die bereits im Sterben lagen und auch ohne Corona in den nächsten Tagen und Wochen gestorben wären. Genau wegen dieses Umstands, haben selbst private Medien mit nicht all zu hoher Reputation inzwischen die Phrase „mit Corona“ hinzugefügt, um ihnen nicht in irgendeiner Weise falsche Berichterstattung vorwerfen zu können. Wir müssen aber mit den Zahlen leben, denn meines Wissens hört man das zwar aus der Praxiserfahrung, aber es wurden keine Zahlen wie „der behandelnde Arzt wäre davon ausgegangen, dass diese Person auch ohne Corona mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten vier Wochen verstirbt“. Wir bleiben also bei unseren 1,81% Prozent, behalten aber im Hinterkopf, dass ein unbekannt hoher Anteil davon auch ohne Corona zeitnah verstorben wäre.

Außerdem gilt zu bedenken, dass es eine unüberschaubare Dunkelziffer an Corona-Fällen gibt. Auch dies führt dazu, dass die Letalität zu hoch eingeschätzt wird. Möchte man diese Fälle mit betrachten, müsste man die infection fatality rate (IFR) berechnen, d.h. der Anteil der Todesfälle unter allen Infizierten (bekannt und unbekannt). Diese Zahl lässt sich erst mal nicht berechnen, denn es liegt in der Sache, dass man nicht weiß wie viele Menschen unbekannter Weise erkrankt sind. Es gibt jedoch eine Gruppe von Studenten verschiedenster Fachrichtungen, die versuchen diese Dunkelziffer mit Hilfe von mathematischen Modellen der Epidemiologie zu berechnen. Dies ist zweifelsohne spannend, jedoch müssen wir uns vor Augen führen, dass diese Modelle stets auf Annahmen fußen, die die Realität mehr oder weniger gut abbilden können. Diese Zahlen sind sicherlich besser als eine Pi-Mal-Daumen Schätzung, aber im Zweifelsfall kann sie auch deutlich daneben liegen. Wir rechnen dennoch näherungsweise den IRF gemäß der Schätzungen vom COVID-19 DunkelZiffer Radar zusammen mit den Todesfällen des RKI COVID-19-Dashboard aus:

\begin{aligned}
\textnormal{IRF}_{\approx} & = \frac{\textnormal{Anzahl der Verstorbenen unter den Diagnostizierten}}{\textnormal{Gesamtzahl der infizierten Personen}}\\
&= \frac{29.422}{4.222.199}\\
&= 0,70 \%
\end{aligned}

Wir erhalten also unter Einbezug der Dunkelziffer eine Schätzung von 0,70% für den IRF. Abgesehen von den Problemen der mathematischen Modelle und der damit verbundenen, möglicherweise nicht realistischen Annahmen, unterschätzen wir die Zahl der Todesfälle bei obiger Berechnung, weil wir die Anzahl der Verstorbenen unter den Undiagnostizierten unter den Tisch fallen lassen. Das sind diejenigen, die an oder mit Corona gestorben sind, aber bei denen weder vor noch nach dem Tod Corona diagnostiziert wurde. Zumeist wurde von einem natürlichen Tod ausgegangen. Um diese Zahl zu korrigieren, müsste man alle in Deutschland verstorbenen nach dem Tod auf Corona testen, was meines Wissens nicht der Fall ist. Wir sollten die als IRF berechnete Mortalität von 0,7%, also doppelt kritisch betrachten.

Im Gegenzug dazu gibt es Personen, die noch sterben könnten, weil sie sich in einer kritischen Situation befinden. Das RKI gibt an, dass sich 5.535 Menschen auf der Intensivstation befinden. Laut RKI liegt die aktuelle Mortalitätsrate von Menschen, die sich auf der Intensivstation befinden, bei 25%, d.h. erwartungsgemäß werden 1384 Menschen auf der Intensivstation sterben. Rechnen wir diese zu den Corona-Toten hinzu, erhalten wir eine obere Abschätzung für die CRF:

\begin{aligned}
CRF_{max} &= \frac{\textnormal{Verstorbene} + \textnormal{Intensivstation} \cdot \textnormal{MortalitätIntensiv}}{\textnormal{Gesamtzahl der diagnostizierten Fälle}} \\
&= \frac{29422 + 5535 \cdot 0,25 }{1627103}\\
&= 1,89 \%
\end{aligned}

Da ich ja immer predige mehrere Quellen zu nutzen: Mit Worldometer (Webseite) kommen wir auf eine Mortalitätsrate von 1,84% und eine obere Abschätzung der Mortalitätsrate von 2,17%, wobei diese Quelle 5.535 Menschen als „Critical or Serious“ bezeichnet. Schaut man sich die Zahlen über kritische Fälle an, merkt man schnell, dass diese anscheinend vom RKI übernommen wurden (zumindest für Deutschland).

Fallzahlen, Tote und wieder Gesundete von Worldometer vom 26.12.2020 um 14:30 Uhr

Schauen wir uns zum Schluss noch die Covid Datensammlung von Our World in Data an: Für Deutschland werden 29.580 Corona-Tote ((https://ourworldindata.org/covid-deaths?country=~DEU)) sowie 1.630.000 Corona-Fälle ((https://ourworldindata.org/mortality-risk-covid?country=~DEU)). Das ergibt eine Mortalitätsrate von 1,81%. Es gibt keine Angaben zu Fällen von Patienten auf der Intensivstation, Patienten im kritischen Zustand o.ä. und daher entfallen die weiteren Angaben und Berechnungen für diesen Fall. Dafür haben wir Angaben zur gesamten Welt: Es gibt insgesamt 80,35 Mio. Covid-19 Fälle und 1,76 Mio. tote, was eine Mortalität von 2,2% bedeutet. Weltweit ist die Mortalität also sogar noch geringfügig hoher als in Deutschland.

QuelleSeriös?FälleToteCRFCRFmaxIRF
RKI++162710329.4221,8%1,9%0,70%
Worldometer+/-163520030.0151,9%2,2%0,71%
Our World in Data+163000029.5801,8%0,70%
Datenlage zum 26.11.2020 gemäß verschiedener Quellen

Merke: Die Mortalität gemäß Fall-Verstorbenen-Anteil (CFR) liegt in Deutschland, je nach Quelle und was genau man berechnet, zum Stichtag 26.12.2020 zwischen ca. 1,8% und ca. 2,2%. Der weltweite CFR liegt bei ca. 2,2%.

Dies ist eine vergleichsweise hohe Zahl, beinhaltet aber auch diejenigen, die auch ohne Corona durch Alter oder Vorerkrankungen gestorben wären. Dazu liegen jedoch keine Zahlen vor und man sollte tunlichst von Mutmaßungen Abstand nehmen. Außerdem wird die Dunkelziffer von Corona-Infektionen nicht beachtet, sodass die tatsächliche Mortalität ein bisschen bis deutlich darunter liegen wird.

Merke: Die infection fatality rate (IFR) berücksichtigt die Dunkelziffer und soll einen besseren Eindruck von der tatsächlichen Sachlage liefern. Unsere Abschätzung für die IFR liegt in Deutschland zum Stichtag 26.12.2020 bei 0,7%.

Diese Zahl basiert auf mathematischen Modellen und Annahmen und kann daher erheblich daneben liegen. Man sollte sich der möglichen Ungenauigkeiten bewusst sein und die Zahl daher doppelt kritisch betrachten.

Die Entwicklung der Mortalitätsrate in Deutschland gemäß den Zahlen von QWID ((https://ourworldindata.org/mortality-risk-covid?country=~DEU))

Die Langzeitfolgen der Infektion vs. die Langzeitfolgen der Impfung

Du redest von Langzeitfolgen der Impfung, die es unbestritten geben kann. Wissenschaftler gehen begründet davon aus, dass Langzeitfolgen kein ernst zu nehmendes Problem sind. Aber es gibt das so genannte “Long Covid” und man geht bisher davon aus, dass etwa 10 bis 20 Prozent der Corona-Infizierten Langzeitfolgen davon tragen werden. ((https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/langzeitschaeden-von-covid-19-was-wir-wissen-und-was-nicht/)) Dies betrifft etwa Atemwege, Herz-Kreislauf-System, Muskelapparat, Nervensystem und Stoffwechesel. Häufig sind auch langfristig verlorener oder eingeschränkter Geruchs- und Geschmackssinn. Kopfschmerzen treten häufig noch über Monate auf. Kinder bekommen vermehrt Diabetes Mellitus nach einer abgeklungenen Infektion. Bei 70% der Infizierten war nach einer Studie nach der Infektion mindestens ein Organ geschädigt. Es gab bei 62% der Untersuchten Veränderungen im Gehirn (Achtung: Kleine Studie, begrenzte Aussagekraft). ((https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/langzeitschaeden-von-covid-19-was-wir-wissen-und-was-nicht/))

Entscheidungen auf der Basis, was wir heute wissen

Wir brauchen eine verbesserte Studienlage, aber unseren jetzigen Entscheidungen müssen wir auf der Basis dessen fällen, was wir heute wissen. Das sind hinsichtlich einer Infektion bereits erste aussagekräftige Studien und davon abgeleitete begründete Meinungen über die Häufigkeit von Langzeitnebenwirkungen. Im Fall der Impfung haben wir quasi kein Wissen aus der praktischen Anwendung im Hinblick auf Langzeitfolgen, gehen auf Grund von theoretischen Überlegungen darüber, wie so ein Impfstoff funktioniert, sowie Erfahrungen mit anderen Impfstoffen, von einer geringen Inzidenz aus.

Die Corona-Infektion hat also eine Reihe von Langzeitnebenwirkungen, die zudem auch noch häufig sind. Die Corona-Impfung wird nach Expertenmeinungen keine gravierenden Langzeitnebenwirkungen haben.

Unbenommen, mir wären Langzeitstudien und klinische Praxiserfahrung auch lieber. Aber wir müssen uns mit Expertenmeinungen begnügen. Tun wir das, müssen wir derzeit unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass die Corona-Impfung einen signifikanten Anteil an Toten verhindert. Und de facto ist es auch das Mittel gegen Langzeitfolgen, weil die Impfung aller Wahrscheinlichkeit wenig davon hat, wir von der Infektion aber schon jetzt wissen, dass gar 10 bis 20 Prozent der als gesundet geltenden Folgen davontragen.

Merke: Die Corona-Impfung wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Zahl der Todesfälle im Vergleich zur „wir-impfen-jetzt-nicht“-Strategie deutlich senken.

Merke: Es ist in Summe so einzuschätzen, dass die Corona-Impfung de facto die Gefahr von Langzeitwirkungen mindert. Geimpfte können logischerweise mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr Erkranken und sind daher nicht den Langzeitfolgen der Infektion ausgesetzt.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass „nicht mehr Erkranken“ nicht gleich zu setzen ist mit „nicht mehr Infizieren“. Denn sehr wohl kann der Erreger noch in den Körper eindringen und sich in bedingtem Rahmen vermehren, bis das Immunsystem mit Hilfe der durch die Impfung erzeugten Antikörper eingreift. Dies ist jedoch nicht speziell beim Corona-Impfstoff so, sondern generell bei Impfstoffen. Dennoch, hier ging es um Langzeitfolgen der Corona-Erkrankung, wovor der Impfstoff aller Voraussicht nach tatsächlich schützen kann.

Die Frage, ob sich Personen an einer geimpften aber dennoch infizierten Person noch anstecken kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Kann man dies ausschließen, spricht man von steriler Immunität. Ansonsten besteht nur eine klinische Immunität. Die sterile Immunität ist wichtig, um langfristig einen Herdenschutz aufzubauen ((https://de.wikipedia.org/wiki/Immunit%C3%A4t_(Medizin)))

Wie man sich Meinungen bildet und argumentieren sollte

Diskutiert gerne mit mir. Aber bitte lest meine Artikel und lernt daran bitte auch Methodik. Meinungen sollten auf der Grundlage von Wissen im Thema und wissenschaftlichen Herangehensweisen und evidenzbasiertem Denken gebildet werden. Wer nicht bereit ist, diese Zeit zu investieren, der mag sich überzeugende Experten mit wissenschaftlicher Expertise, glaubwürdige Medien oder auch einen Freundin/Kollegin suchen, der entsprechende Maßstäbe an sich ablegt, und dessen Meinung übernehmen.

Ich akzeptiere Meinungen, die zu meinen völlig konträr sind, erwarte aber die notwendige Recherche von Faktenlage und Studienlage sowie einen evidenzbasierten wissenschaftlichen und der Logik folgenden Meinungsbildungsprozess. Ansonsten nehme ich mir heraus, diese Meinung nicht anzuerkennen. Die Meinungsfreiheit bleibt bestehen, aber die Meinung ist dann für mich und andere evidenzbasierte denkende Menschen nichts wert.

Merke: Man sollte seine eigene Meinung, nicht nur im Bezug auf Corona, basierend auf dem Recherchieren zahlreicher, qualitativ hochwertiger Quellen mit dem Anspruch wissenschaftlicher Korrektheit und Vollständigkeit bilden. Geht das nicht, sollte man ausgewiesenen Experten vertrauen oder zumindest Leute befragen, von denen du annimmst, dass diese evidenzbasiert denken, die Faktenlage ausreichend kennen und das Thema wissenschaftlich durchdrungen haben.

Weiterführendes zur Impfung

“So häufig sind Langzeitfolgen bei einer Corona-Infektion” von Quarks

„Sich zu Tode fürchten – der mRNA-Impfstoff und seine Gegner“ von Spektrum.de SciLogs

COVID-19 und Impfen vom Robert Koch Institut

COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) vom Robert Koch Institut

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-Impfung von der Bundesregierung

Corona-Krisenreaktion – Das Gesundheitswesen von der Europäischen Kommission

SARS-CoV-2-Impfstoff aus der Wikipedia

Update 29.12.2020 um 21:30

  • Definition von Mortalität durch CRF ersetzt. Dies spiegelt wieder, welche Art von Mortalität hier berechnet wird.
  • Definition von IRF eingeführt und Beispielberechnung an Hand vom COVID-19 Dunkelziffer Radar

Quellen

Folgende Quellen sind nicht im Artikel einzeln zitiert, sind aber Grundlage für den gesamten Artikel:

Deutsche Wikipedia, Artikel “SARS-CoV-2”, abgerufen am 19.12.2020
Deutsche Wikipedia, Artikel “SARS-CoV-2-Impfstoff”, abgerufen am 19.12.2020,
Deutsche Wikipedia, Artikel “BNT162b2”, abgerufen am 19.12.2020
Quarks, Artikel “So häufig sind Langzeitfolgen bei einer Corona-Infektion”, publiziert 04.12.2020, abgerufen 25.12.2020

Zitierte Quellen

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Corona German Medienkritik Phislosophie

Der Fall von zwei Personen, die wegen der Corona-Impfung auf die Intensivstation mussten. Ist der Corona-Impfstoff potenziell tötlich? Über unseriöse Berichterstattung der Medien und was man mit wissenschaftlicher Methodik tatsächlich schlussfolgern kann!

Im Folgenden betrachte ich Beispielhaft eine Newsmeldung des Focus mit dem Titel „Coronavirus: Patient erleidet schwere allergische Reaktion nach Impfung mit Pfizer-Vakzin“ ((https://www.focus.de/gesundheit/news/zur-pandemie-coronavirus-patient-erleidet-schwere-allergische-reaktion-nach-impfung-mit-pfizer-vakzin_id_12782666.html)), was davon zu halten ist und was es für den Otto-Normal-Leser bedeutet, dass die Schlussfolgerungen daraus von einigen Medien schlicht vorenthalten werden.

Aber schauen wir und zuerst mal den Fall an. Gucken wir, was passiert ist, wie es geendet hat und welche Schlussfolgerungen man tatsächlich ziehen kann, wenn man wissenschaftlich, rational und evidenzbasiert vorgeht.

Quaks, “So häufig sind Langzeitfolgen bei einer Corona-Ibfektion”, 04.12.2020, OnlineresourceLeider kann man an dieser Stelle nicht behaupten, die Medienvertreter würden die Unwahrheit erzählen. Tatsächlich sind alle Aussagen inhaltlich korrekt. Aber durch das Weglassen notwendiger Interpretationen und Schlussfolgerungen unter dem Einsatz wissenschaftlicher Methoden, schaffen sie es trotzdem eine verzerrte und letztendlich fehlgeleitete Meinung in der Bevölkerung zu erzeugen. Ja, nach meiner Auffassung ist das Weglassen dieser Informationen sträflich.

Was ich von Medien halte, die mit reißerischen Titeln und aufgebauschten Artikeln die Angst von Menschen schüren, zu irrationalen Meinungen verleiten und damit sogar gefährlich für Leib und Leben der Menschen sind, dürfte euch jetzt schon klar sein. Es scheint aber einige der größten privaten Medien kaum zu interessieren, welchen Schaden Sie für die Gesellschaft verursachen, wenn sie solche Artikel in die Welt setzen. Hauptsache, die Einschaltquote stimmt.

Aber kommen wir nun zu dem Fall und schauen mal, was da eigentlich passiert ist.

Was ist da passiert?

Ich muss in der Tat vermelden, dass zwei Menschen einen anaphylaktischem Schock erlitten haben. Einer musste auf der Intensivstation behandelt werden. Dass nach der Verabreichung eines Eiweißbausteins so etwas passiert, ist tatsächlich sogar zu erwarten. Entsprechende Einzelfälle gibt es auch bei anderen Impfungen. Jetzt stellt sich die Frage: Ist der RNA-Corona Impfstoff gefährlicher als andere Impfstoffe? Man muss doch abwägen: Wie häufig tritt so etwas auf?

Fakt ist, ein anaphylaktischer Schock ist eine sehr seltene Nebenwirkung. Bei der Phase 3 Studie von Pfizer ist es bei 113 der 43.000 Patienten, also 0,6%, zu allergischen Reaktionen gekommen ((„Safety and Efficacy of the BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine“, 10. Dezember 2020)). Dabei ist zu beachten, dass eine allergische Reaktion auch mal einfach nur „etwas unangenehm“ sein kann und ein anaphylaktischer Schock, der eine besonders ernsthafte Forum einer allergischen Reaktion darstellt und zum Tode führen kann, natürlich wesentlich seltener ist. Da eine anaphylaktischer Schock gemäß meiner Sichtung der Originalstudie zur Sicherheit des BNT162b2 Impfstoffs während der Phase 3 Studie nicht aufgetreten ist ((„Safety and Efficacy of the BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine“, 10. Dezember 2020)) , dürfte auf Grundlage von 43.000 Teilnehmern die Wahrscheinlichkeit unter 0,0023% liegen. Man kann es nicht ernsthaft als rational bezeichnen, dass eine schwerwiegende Reaktion, die derart selten auftritt, ernsthaft ein Grund ist zu behaupten, dass die Risiken den Nutzen überwiegen.

Zudem: Beide Patienten wurden mit Epinephrin (=Adrenalin) behandelt, eine zusätzlich noch mit Steroiden. Beiden geht es mittlerweile wieder gut. Es ist de facto weder jemand gestorben, noch hat jemand Langzeitfolgen davon getragen. Wenn man bedenkt, wie häufig der Impfstoff bereits eingesetzt wurde, ist das bei genauer Betrachtung sogar ein äußerst gutes Ergebnis.

Was wir daraus lernen

Wir wissen: Die beiden Betroffenen hatten allergische Vorerkrankungen. Wir lernen also daraus, dass man bei Patienten mit allergischen Vorerkrankungen besonders vorsichtig sein muss. Es wurde von der Britischen Arzeneimittelbehörde vorgeschlagen, dass man Menschen mit allergischen Vorerkrankungen nicht impfen solle. ((https://www.epochtimes.de/politik/ausland/warnungen-vor-allergischer-reaktion-auf-biontech-pfizer-impfung-in-grossbritannien-a3399499.html)). Man beschränkt sich hier jedoch auf Personen mit „frühere[n] anaphylaktoide Reaktionen oder Personen, denen geraten wurde, einen Adrenalin-Autoinjektor mit sich zu führen“ ((https://www.epochtimes.de/politik/ausland/warnungen-vor-allergischer-reaktion-auf-biontech-pfizer-impfung-in-grossbritannien-a3399499.html)). Ob diese Einschränkung tatsächlich notwendig ist, lasse ich mal dahingestellt sein. Schließlich äußerte man sich dahingehend, dass dies eine „reine Vorsichtsmaßnahme“ sein. Fakt ist, dass selbst innerhalb dieser Risikogruppe das Auftreten eines anaphylaktischen Schocks immer noch selten ist. Ansonsten hätte es bereits mehr als diese wenigen Einzelfälle geben müssen. Also: Eine Vorsichtsmaßnahme und keine Absolute Kontraindikation.

Fakt ist auch, dass man für den Notfall des anaphylaktischen Schocks Vorkehrungen treffen kann. In dem Sinne wird mittlerweile empfohlen, dass bei der Corona-Impfung Epinephrin als Notfallmedikament vorrätig sein sollte. Möglicherweise ist danach schon alles wieder in Ordnung, möglicherweise muss der Patient trotzdem noch ins Krankenhaus, um z.B. mit zusätzlich intravenös verabreichten Glucocorticoiden behandelt zu werden. Wer genauer wissen möchte, was man in einer solchen Situation tut, den verweise ich mal auf den Wikipedia Artikel, da es nicht sinnvoll erscheint, an dieser Stelle allzu tief in die medizinische Materie einzusteigen. Gesagt sei aber, dass man sich ärtzlicherseits für den selten Fall eines anaphylaktischen Schocks vorbereiten kann.

Typischerweise kommt hier in Deutschland ja ein Impfarzt in die Firma. Diese sollten darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass sie Epinephrin, ein Sauerstoffgerät und ggf. weitere Notfallmedikamente mitführen sollten. Damit wird auch für diesen noch so seltenen Fall eine Möglichkeit geboten, schnell zu reagieren und lebensbedrohliche Zustände schnell in den Griff zu bekommen.

Zusammengefasst: Es ist bisher de facto keiner ernsthaft zu Schaden gekommen und für die Zukunft weiß man, wie man sich auf solche extrem selten eintretenden Fälle vorzubereiten hat.

Was bedeutet das für die Sicherheit des Impfstoffs?

Was die Sicherheit des Impfstoffs betritt, ist ein positives Fazit zu ziehen. In der Tat ist die Fachcommunity der Auffassung, dass der Corona-Impfstoff nach wie vor wie geplant verabreicht werden soll. Denn es gilt immer das Risiko-Nutzen Verhältnis zu prüfen. Das liegt noch immer deutlich im positiven Bereich. Viel mehr braucht man dazu nicht zu sagen.

Medikamente mit schweren Nebenwirkungen die Zulassung entziehen?

By the way, wenn man Einzelfälle schwerer Nebenwirkungen als ausschlaggebendes Maß für die Zulassung eines Wirkstoffs betrachten würde, dann müssten nach meiner groben Schätzung über 99% der Medikamente vom Markt genommen werden ((Anmerkung: Diese Zahl soll das Ausmaß symbolisieren und ist nicht durch eine mit bekannte Faktenlage gestützt)). Vitaminpräparate wären dann noch zugelassen, aber so gut wie alle ernsthaften Medikamente müssten vom Markt genommen werden. Das kann nicht ernsthaft jemand wollen, denn zweifelsohne haben unsere zahlreichen Medikamente einen unbestreitbaren Nutzen. Merke: Man darf niemals etwas an Einzelfällen festmachen, sondern muss die Sicherheit im Großen und Ganzen bewerten.

Die großen schlechten und die kleinen guten Medien

Leider tragen Berichte der Medien, die mit Freude ihre Einschaltquote und Leserschaft durch das aufbauschen von krassen Einzelfällen in die Höhe treiben, nicht zu einem rationalen Bild über die Risiken der Corona-Impfung bei. Leider sind es auch gerade die Großen, die sich nicht mir Ruhm bekleckern.

Deshalb: Sucht euch bitte Medien für eure Informationsbeschaffung heraus, die die wissenschaftliche Faktenlage einbeziehen und auch die richtigen Schlussfolgerungen ziehen können. Das sind oftmals auch die Kleinen.

Leider ist es so, dass das Verkünden von “es ist was was passiert, aber eigentlich ändert das gar nichts an den Plänen zur Impfung” weniger Medienhype einbringt als “Corona-Impfung endet auf der Intensivstation. Impfstoff hat potenziell tödliche Nebenwirkungen”. Sucht euch die richtigen Medien und Informationsquellen und s pringt nicht auf den Zug der irrationalen Meinungsmacher auf!

Über diesen Blog, die Artikel mit Bezug auf Corona und mein Ansinnen

Nehmen wir beispielsweise dieser Blog hier: Er hat wohl eine vergleichsweise kleine Leserschaft, aber ich behaupte einfach mal, dass meine Artikel gut recherchiert, tiefgründig, wissenschaftlich untermauert und auch seriös sind. Auch wenn ich kein Corona-Experte bin, kann ich einschätzen, welche Medien und Artikel seriös berichtet sind.

Ja, ich muss stets einige Zeit in die Recherche stecken und zahlreiche Quellen sichten, um so einen Artikel hier zu schreiben. Ich kenne sicher nur einen vergleichsweise kleinen Ausschnitt der Neuigkeiten zu Corona und der wissenschaftlichen Sachlage. Aber wenn ich einen Artikel zu einem keinen Spezialthema der großen Corona- Welt schreibe, dann soll dieser auch gut recherchiert sein. Das schreibe ich mir auf die Fahne.

Dennoch darf und sollte ich mich nicht Corona-Experte nennen. Wenn ich aber etwas zu Corona sage, dann hat das auch Hand und Fuß und ist wissenschaftlich untermauert.

Worum es hier aber eigentlich geht, sind die philosophischen und ethischen Fragestellungen einerseits und die Anleitung zum wissenschaftlichen und evidenzbasierten Schlussfolgern anderseits. Natürlich gibt es auch Faktenwissen zu Corona, aber eigentlich handelt es sich hier nur um ein Beispiel, an Hand dessen der Leser an Metakompetenzen gewinnen soll.

Natürlich mache ich in diesem Blog auch regelmäßig auf Missstände aufmerksam. Sind es in vergangener Zeit viel Datensammler und Datensünder sowie Kritik an den Strukturen und dem Tun vornehmlich großen Unternehmen gewesen, gehen die letzten Artikel eher in Richtung von Meinungsmache und der Rolle von Medien. Demnächst werden hier aber auch wieder Artikel mit technischem Schwerpunkt erscheinen. Schön an den nicht so technischen Artikeln ist natürlich, dass im Grunde jeder Bürger zur Audienz gehört, während die technischen Artikel doch eher Fachleute und engagierte Hobby-Informatiker anspricht.

Fazit und Schlussbemerkung

Das wäre es für heute. Wir haben wieder mal falsche Ansichten bezüglich der Gefährlichkeit des Corona-Impfstoffs korrigiert. Wir haben uns wieder mal einer wissenschaftlichen Betrachtung der Faktenlage gewidmet und daraus mittels wissenschaftlicher Methode evidenzbasierte Schlussfolgerungen gezogen.

Auch empfand ich es mal wieder mal als nötig, mit den meiner Meinung nach unseriösen Medien abzurechnen. Das sind nicht alle, aber eben doch gerade einige der großen, die leider das Meinungsbild der Bevölkerung wesentlich prägen.

Nochmal: Sucht euch seriös arbeitende Medien, die nicht auf den Hype qoutentreibender Artikel aus sind. Wer die Zeit hat, der fühle sich auch ermutigt, selbst aktive Recherchen durchzuführen und sich ein breites Meinungsbild zu verschaffen. OccuSearch ist euer Freund (nein, nicht Google!).

Natürlich hat man nicht immer und für jedes Thema die Zeit das zu tun. Dann hört bitte auf einen renommierten Experten in eurer Angelegenheit. Im Falle von Corona empfehle ich nochmals Christan Drosten und seinen Podcast Coronavirus-Update, wo die 7-Tage-Inzidenz, dio

Als PDF oder ODT downloaden

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Quellen

Folgende Quellen sind nicht im Artikel einzeln zitiert, sind aber Grundlage für den gesamten Artikel:

Deutsche Wikipedia, Artikel „SARS-CoV-2“, abgerufen am 19.12.2020
Deutsche Wikipedia, Artikel „SARS-CoV-2-Impfstoff“, abgerufen am 19.12.2020,
Deutsche Wikipedia, Artikel „BNT162b2“, abgerufen am 19.12.2020
Deutsche Wikipedia, Artikel „Anaphylaxie“, abgerufen am 19.12.2020
The Epoch Times, Artikel „Alaska: Krankenpfleger nach Corona-Impfung auf Intensivstation“, publiziert 17.12.2020, abgerufen 19.12.2020
Quaks, Artikel “So häufig sind Langzeitfolgen bei einer Corona-Infektion”, publiziert 04.12.2020, abgerufen 25.12.2020

Zitierte Quellen

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Allgemein Corona German Phislosophie

Darf man falsche Fakten als Meinung vertreten und wie reagiert man darauf? Beispiele an Hand von offensichtlicher Lügen als Meinugen, der Leugnung mathematisch beweisbarer Fakten, angeblicher Corona Zweitinfektionen und irrationalen Überzeugungen, die dem einhelligen Konsens der Experten zum Risiko-Nutzenverhältnisses der Corona-Impfung widersprechen

Wenn ich widerlegbares Wissen mitbekomme, fühle ich mich geradezu genötigt dieses zu korrigieren. Dabei bleibe ich in der Regel ruhig und versuche zu korrigieren. Schließlich kann es sein, dass die jeweilige Person dieses Wissen selbst fälschlicherweise aufgenommen hat, sich nicht mehr richtig erinnert oder einfach logische Schlussfolgerungen falsch zieht, weil die Person Defizite im Bereich Logik oder mathematisch beweisbarer Zusammenhänge hat. Dies ist nicht verwerflich, denn jeder hat seine eigenen Stärken und Schwächen und nicht jeder muss an der Universität eine Grundlagenvorlesung zur Philosophie gehört haben, wo die Grundladen der Logik vermittelt werden. Wobei ich das durchaus jedem ans Herz legen würde.

Zu unterscheiden sind Fakten und Meinungen: Eine Aussage zu Fakten ist beweisbar richtig, falsch oder undefiniert, während eine Meinung persönliche Ansichten verkörpert. Wenn man bewusst einen falschen Fakt vertritt, sind dies sogenannte „alternative Fakten“. Unter der Regierung Trump erreichte diese Bezeichnung große Berühmtheit. Entgegnet man, dass dies doch nur eine persönliche Meinung sei, gehört das zu den wenigen Dingen, die mich deutlich erbost machen. Eines der sehr sehr seltenen Fälle, in denen ich auch mal Laut werde und denjenigen zu Recht beschimpfe, „alternative Fakten“, also schlicht Unwahrheiten, zu verbreiten.

Gemäß Art. 5 GG ist das Verbreiten falscher Fakten als Meinungen im Regelfall durch die Meinungsäußerungsfreiheit gedeckt: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten. Eine Zensur findet nicht statt.“ ((https://dejure.org/gesetze/GG/5.html)) Das ist als Gesetzeslage auch richtig so, da wir nicht in einer Zensurgesellschaft leben. Also: Man darf es! Aber muss man darüber erfreut sein? Nein! Man sollte denjenigen zurecht weisen. Man kann – und sollte – mit Gegensprache auf falsche Fakten reagieren, auch wenn diese als Meinungen getarnt werden.

Beispiele für falsche Fakten: Mal offensichtlich, mal nicht!

Aussage: „Diese Wand ist schwarz“

Das ist eine Behauptung, die einfach überprüfbar ist. Nehmen wir mal an sie ist weiß. Dann ist die Behauptung, die Wand sei weiß, ein Fakt. Man kann immernoch die Meinung vertreten, die Wand sei schwarz. Ob das sonderlich schlau ist? Sicherlich nicht. Denn es ist sehr einfach widerlegbar. Ob man das darf? Ja, dank Art. 5 GG. Davon ausgenommen ist jedoch, ob jemand anderen Nachteile erwachsen. Als Immobilienmakler darf ich einem potenziellen Interessenten nicht erzählen, die Wand sei schwarz, auch wenn ich weiß, dass das überhaupt nicht der Fall ist. Dies fällt nicht mehr unter die freie Meinungsäußerung. Ob man bei einer Behauptung dieses falschen Fakts erboßt sein sollte und den Verbreiter der Botschaft in die Schranken weisen sollte? Aber sicher! Das Verbreiten eines falschen Fakts als Meinung ist schließlich eine Lüge. Dies kann gemäß Kants kategorischem Imperativ nicht zum allgemein Gesetz werden und ist daher zwar nicht zwingend rechtlich, aber zumindest moralisch, verwerflich.

Aussage: „Wenn man eine repräsentative Umfrage in erhebt, kommt da sowieso immer etwas anderes raus. Umfragen sagen nichts aus. Ich glaube nicht an beweisbare Mathematik.“

Sagen wir mal, dass wir in Deutschland, Einwohnerzahl 83.000.000 Menschen, eine repräsentative Umfrage unter 2000 Leuten machen. Nun wäre die Argumentation dieses Herren recht einfach: Was ist denn, wenn ich von den 83.000.000 genau 2000 Leute herauspicke, die JA sagen und beim nächsten mal 2000 Leute rauspicke, die NEIN sagen.

Die Meinung

Offensichtlich kommt immer etwas anderes dabei bei solchen Umfragen heraus. Daher sind repräsentative Umfrage nichtssagend und man darf ihnen nicht glauben. An beweisbare Mathematik glaube er einfach nicht. Das sei alles nur Unsinn. Derjenige behauptet zudem, dies sei ja nur seine Meinung und könne man ihm daher nicht absprechen. Das würde er auch gerne jedem so erklären, denn das sei ja nur seine persönliche Meinung.

Wie funktioniert eine repräsentative Umfrage mathematisch? Wie entgegne ich der Aussage?

Dann kann man nur entgegnen: Ja, das ist nicht unmöglich. Aber für wie wahrscheinlich hältst du das? Ich erspare hier mal das mathematische Hintergrundwissen, bzw. gehe nur auf die wesentlichen Kenngrößen ein:

  • Populationsgröße: Die Gesamtanzahl der Personen der Gruppe, die Sie untersuchen möchten. In unserem Fall sind das 83.000.000 Personen.
  • Fehlerspanne: Ein Prozentwert, der besagt, in welchem Maße Sie erwarten können, dass Ihre Umfrageergebnisse für die Ansichten der betrachteten Gesamtpopulation repräsentativ sind. Nehmen wir hier mal 3%.
  • Konfidenzniveau: Ein Prozentsatz, der angibt, wie sicher Sie sich sein können, dass die Population eine Antwort in einem bestimmten Bereich auswählen würde. Beispielsweise bedeutet ein Konfidenzniveau von 95 %, dass Sie zu 95% sicher sein können, dass die Ergebnisse zwischen den Zahlen Tatsächliches Ergebnis - Fehlerspanne und Tatsächliches Ergebnis + Fehlerspanne liegen. Nehmen wir hier mal 95%

Beispiel: Befragungen in der deutschen Population

Wenn wir uns die Mathematik sparen wollen, nehmen wir einfach den Rechner auf Surveymonkey. Probiert da ruhig mal rum. Für unseren Fall:

  • N = Popolationsgröße = 83000000
  • KI = Konfidenzniveau = 99%
  • e = Fehlerspanne = 3%

Das Ergibt eine Stichprobengröße von 1849. Wir müssen also 1849 Personen zufällig und repräsentativ als Stichprobe auswählen, um unsere Zielparamater zu erfüllen.

Treffen wir die Annahme, dass in der tatsächlichen Population, also wenn wir jeden der 83.000.000 Bürger befragen würden, ein Ergebnis von 42% von JA-Stimmen hätten. Wenn wir eine Umfrage machen, erhalten wir bei 1849 befragten Personen einen Ergebnis im Intervall zwischen (Tatsächliches Ergebnis - Fehlerspanne) und (Tatsächliches Ergebnis + Fehlerspanne), also 39% bis 45%. Das Konfidenzniveau sagt uns, dass wir zu 99% innerhalb dieses Bereichs sind und nur zu 1% außerhalb dessen, also unter 39% oder über 45%. Das ist doch schon ein ziemlich gutes Ergebnis für unter 2000 befragten?

Wie groß ist also die Wahrscheinlichkeit, dass zwei solche Umfragen was völlig anderes herausbekommen, also eine liegt unter 39% und die andere über 45%? Das kann man ausrechnen: Das sind mindestens 99,99%. Ist das nicht ziemlich unwahrscheinlich? Ich würde sagen: Ja! Ich verzichte auf die Mathematik.

Soll es noch genauer sein?

Populationsgr.KonfidenzniveauFehlerspanneStichprobengr.
1.83.000.00095%5%385
2.83.000.00095%3%1.068
3.83.000.00095%2%2.401
4.83.000.00095%1%9.603
5.83.000.00099%5%666
6.83.000.00099%3%1.849
7.83.000.00099%2%4.161
8.83.000.00099%1%16.638
Aus einem bestimmten Konfidenzniveau (=“Wahrscheinlichkeit, dass wir richtig liegen“) und einer Fehlerspanne (=“Größe des Möglichen Fehlers nach unten oder nach oben“) folgt, welche Stichprobengröße (=“Anzahl befragter Personen“) wir benötigen.

Interpretationen

  1. Haben wir 83.000.000 Menschen und möchten, dass unsere repräsentative Umfrage einen Wert zwischen Tatsächliches Ergebnis - 5% und Tatsächliches Ergebnis + 5% mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 95% liefert, müssen wir 385 Menschen repräsentativ befragen.
  2. Haben wir 83.000.000 Menschen und möchten, dass unsere repräsentative Umfrage einen Wert zwischen Tatsächliches Ergebnis - 3% und Tatsächliches Ergebnis + 3% mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 95% liefert, müssen wir 1.068 Menschen repräsentativ befragen.
  3. (wie oben)
  4. (wie oben)
  5. Haben wir 83.000.000 Menschen und möchten, dass unsere repräsentative Umfrage einen Wert zwischen Tatsächliches Ergebnis - 5% und Tatsächliches Ergebnis + 5% mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 99% liefert, müssen wir 666 Menschen repräsentativ befragen.
  6. (wie oben)
  7. (wie oben)
  8. (wie oben)

Beispiel: Befragungen bei der Bundestagswahl

Bei der FORSA-Umfrage werden immer etwa 2.500 Personen in Deutschland befragt ((https://www.wahlrecht.de/umfragen/forsa.htm)). Wir hatten 2017 bei der letzten Bundestagswahl 61.700.000 Wahlberechtigte ((https://www.bundeswahlleiter.de/service/glossar/w/wahlberechtigte.html)). Welches Konfidenzniveau und welche Fehlerspanne sind damit möglich?

Dazu habe ich die Populationsgröße festgesetzt, das Konfidenzniveau auf die jeweiligen Wunschwerte festgelegt und dann so lange die Fehlerspanne justiert, bis die Stichprobengröße (knapp unter) 2500 Personen lag.

PopulationsgrößeKonfidenzniveauFehlerspanneStichprobengröße
61.600.00080%1,3%2.424
61.600.00090%1,7%2.356
61.600.00095%2,0%2.401
61.600.00099%2,6%2.462
Mögliche Konfidenzniveaus und Fehlerspannen für eine Stichprobengröße von ca. 2500 Personen

Alle diese Aussagen sind natürlich gleichermaßen richtig, wenn man ca. 2500 Personen befragt. Man kann entweder ein hohes Konfidenzniveau fordern und dafür eine hohe Fehlerspanne in Kauf nehmen, oder ein geringeres Konfidenzniveau mit einer kleinen Fehlerspanne realisieren.

Vergleich zu den tatsächlichen Ergebnissen

Die letzte Befragung vor der Bundestagswahl war am 22.09.2017, also zwei Tage vor der Bundestagswahl am 24.09.2017. Wie waren die Befragungsergebnisse relativ zu den tatsächlichen Ergebnissen?

CDUSPDGRÜNEFDPLINKEAfDSonst.NW
Wahl32,9%20,5%8,9%10,7%9,2%12,6%5,0%23,8%
Umfrage36,0%22,0%7,0%9,5%9,5%11,0%5,0%
Fehler-3,1%-1,5%+1,9%+1,2%+0,3%+1,5%0,0%
Ergebnisse der Bundestagswahl vom 24.09.2017

Wir wir sehen, sind die Ergebnisse recht akkurat. Ok, die CDU hat mit -3,1% eine recht hohe Abweichung, die unsere Fehlerspanne von 2,6% beim Konfidenzniveau von 99% noch übersteigt. Das könnte einfach „Pech“ gewesen sein und die 1% Wahrscheinlichkeit, dass wir noch weiter falsch liegen als +/- 2,6% hat zugeschlagen. Das ist natürlich unwahrscheinlich, kann aber passieren.

Sind ausreichen große, repräsentative Umfragen als Ersatz für Wahlen tauglich?

Viel einleuchtender erklärt sich dies jedoch mit der Dynamik von Wahlen: Nicht Wenige entscheiden sich erst am Tag der Wahl für eine Partei. Oder sie ändern ganz kurzfristig beim Ausfüllen ihres Wahlzettels noch Ihre Meinung. Wenn Menschen dann im Endeffekt anders wählen, als sie es in der repräsentativen Umfrage angegeben haben, haben wir eine von unserem Stichprobentest ganz unabhängigen Bais (=Verzerrung).

Damit obige Konfidenzniveaus und Fehlerspannen für die genannten Stichprobengrößen gelten, muss nämlich sicher gestellt sein, dass jeder nachher tatsächlich auch so abstimmt, wie er es in der Umfrage angegeben hat. Oder noch allgemeiner: Jeder muss schon zwei Tage vor der Wahl sicher sein, was er wählt, und das auch ausnahmslos so tun.

Wie groß müsste die Stichprobe für die Bundestagswahl sein?

Populationsgr.KonfidenzniveauFehlerspanneStichprobeng.
61.600.00099%0,5%66.493
61.600.00099%0,1%1.620.397
Größe der Stichprobe, um die Bundestagswahl durch eine repräsentative Umfrage zu ersetzen, wenn die Fehlerspanne bei auf niedrigem Niveau bei 0,5% bis 0,1% liegt

Wäre das der Fall, könnte man nämlich ganz einfach eine repräsentative Umfrage unter ca. 1.620.397 Menschen durchführen und an Hand dessen die Wahlen durchführen. Bei einem Konfidenzniveau von 99% und einer Fehlerspanne von 0,1% wären die Ergebnisse hinreichend genau, um jeder Partei mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von 99% ihr tatsächliches Wahlergebnis +/- 0,1% zu bescheren. Mit zuletzt 709 Sitzen, würden so pro Partei mit hoher Wahrscheinlichkeit höchstens 0,7 Sitze falsch vergeben. Selbst wenn es schlecht läuft, würde höchstens ein Sitz zu viel oder zu wenig pro Partei vergeben werden. Das wäre verschmerzbar.

Eine Verzerrung: Mangelnde Repräsentativität

Wie gesagt gibt es aber den möglichen Bais (=Verzerrung), dass viele Ihre Wahlentscheidung erst am letzten Tag fällen oder plötzlich umschwingen. Auch wenn ich an dieser Stelle nicht genau darauf eingehen möchte, sind Probleme mit dem Umfragendesign natürlich ein weiteres Faktum das Verzerrungen hinzufügt. So stellt sich immer die Frage, ob die Umfrage eben repräsentativ ist. Repräsentativ heißt, dass eben ein guter Querschnitt aus der Bevölkerung an der Umfrage teilnehmen muss. Das beinhaltet verschiedene Faktoren, wie Alter, Geschlecht, Wohnort, Beruf, Einkommen, usw. Wir müssen versuchen, diese Verzerrung durch gute Randomisierung, also echter Zufallsauswahl, möglichst zu vermeiden.

Eine Verzerrung: Umfragenverweigerer

Problematisch sind auch immer Umfragenverweigerer: Wenn eine ausgewählte Person nicht teilnimmt, und man kann sie ja nicht zwingen, dann kommt es prinzipiell zu einer Verzerrung. Stellen wir uns beispielsweise die Wähler der Piratenpartei vor, die vermutlich besonders Datenschutzaffin sind und vermehrt nicht an Meinungsumfragen teilnehmen. Damit könnte die Piratenpartei (rein hypothetisch) in Umfragen schlechter abschneiden als in einer echten Wahl. Ein Mangel, der Idee der repräsentativen Umfrage inhärent ist. Wir können diesen nicht verhindern, aber in seiner Größe messen, indem wir uns merken, wie viele Personen die Umfrage verweigert haben.

Ist diese Zahl nicht zu groß, können wir die Verzerrung weitestgehend ignorieren. Ist die Zahl groß, müssen wir mit einer möglichen Verzerrung der Umfrageergebnisse in entsprechender Höhe rechen. Immerhin wissen wir hier ungefähr, was zu erwarten ist.

Wie wirkt sich die Populationsgröße auf die Stichprobengröße aus?

Tatsächlich kann man sagen, dass ab einer Populationsgröße von 1.000.000 die Stichprobengröße nicht mehr wesentlich zunimmt, d.h. für eine repräsentative Befragung in Indien mit 1,4 Mrd. Menschen müssen kaum mehr befragt werden, als es in Deutschland mit 83 Mio. Menschen der Fall ist. Das mag überraschen, ist aber mathematisch nachvollziehbar und macht auch Sinn.

Populations
größe
Konfidenz-
niveau
Fehler-
spanne
Stichproben-
größe
Fiktiv1.00095%2%707
Fiktiv10.00095%2%1.937
Fiktiv100.00095%2%2.345
Fiktiv1.000.00095%2%2.396
DE83.000.00095%2%2.401
Indien1.380.000.00095%2%2.401
Fiktiv1.00099%1%944
Fiktiv10.00099%1%6.247
Fiktiv100.00099%1%14.267
Fiktiv1.000.00099%1%16.369
DE83.000.00099%1%16.638
Indien1.380.000.00099%1%16.641

Merke: Desto größer die Population, desto sinnvoller ist eine repräsentative Umfrage im Vergleich zu einer allumfassenden Umfrage.

Fazit

Wie wir sehen: Repräsentative Umfragen sind ein tolles Mittel, da man mit vergleichsweise wenig Aufwand viel Information gewinnt. Die Ergebnisse sind nie frei von Fehlern, aber Methoden der Statistik zeigen, dass gute Konfidenzniveaus und Fehlerspannen schon mit wenig Befragten zu erreichen sind. Wir sehen, dass sich Umfragen mit steigender Populationsgröße immer mehr lohnen: Beispiel Deutschland und Indien.

Merke: Repräsentative Umfragen funktionieren. Man kann gute Konfidenzniveaus und Fehlerspannen bei ausreichender Populationsgröße schon mit kleinen Stichprobengrößen erreichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit unserer Umfrage richtig liegen, ist hoch. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir „völlig daneben“ liegen ist jedoch nie Null.

Merke: Dass repräsentative Umfragen funktionieren, ist mathematisch beweisbar. Daher ist es ein Fakt. Die Meinung, dass diese nicht funktionieren, kann man natürlich haben, aber ist in jedem Fall unwahr. Die Meinung widerspricht einem mathematischem Fakt.

Corona

Gute Quellen sind das A und O

Was Corona betrifft: Bitte informiert euch bei guten Quellen, wie dem Robert Koch Institut, dem Coronavirus-Update von Virologen Christian Drosten (NDR Info Podcast) oder auch mal Wikipedia, die sich inzwischen zu einer erstaunlich glaubwürdigen und zum Teil auch wissenschaftlich fundierten Quelle gemausert hat. Private Fernsehsender, privates Radio, die BILD-Zeitung und co. sind mit ihren reißerischen Titeln und wenig Hintergrundinformationen nicht die besten Quellen. Wenn ihr dort Informationen abgreift, stellt zumindest sicher, dass ein ausgewiesener Experte spricht. Glaubt nicht so viel über das Hören-Sagen.

Aussage: „Menschen in Deutschland stecken sich in Deutschland ein zweites mal mit Corona an.“

Immer wieder höre ich, dass sich Menschen mit Corona erneut angesteckt hätten. Ja, es gibt entsprechende Einzelfälle, die aus China und Südkorea gemeldet wurden, aber wenn ich frage, wo das in auch nur irgendwie bedenklichen Größenordnungen passiert sein soll, kann mir plötzlich keiner eine Quelle nennen. Wie auch, wenn hier ein kleiner Teil von Einzelfällen zu einem globalen Problem aufgebauscht werden, das so gar nicht existiert? Herr Drosten meint dazu, stand heute, dass es viel wahrscheinlicher ist, dass ein PCR-Test erst positiv ausfalle, dann negativ und dann wieder positiv. Dabei handelt es sich um statistische Verteilungsphänomene, sodass das Virus eigentlich nie weg war, aber vom Test ein mal nicht erkannt wurde.

Was nachgewiesen ist: Antikörper fallen nach einigen Monaten nach der Infektion ab. Einige haben daraus interpretiert, man könne sich wieder anstecken. Aber da gibt es ja noch die Gedächtniszellen, die bekanntermaßen in großem Maßstab aufgebaut werden. Auch diese geben eine Immunantwort! Naheliegend könnte sein, dass die Impfung nicht für immer wirkt, sondern irgendwann wiederholt werden muss.

Es gibt bis heute keine stichhaltigen Hinweise darauf, dass man sich mit dem Corona-Virus erneut anstecken kann. Wie das langfristig aussieht, z.B. durch Mutationen, kann schlicht noch keiner sagen.

Fakt: Es gibt bisher in Deutschland nicht einen Fall einer Zweitinfektion. Ob Zweitinfektionen auf Lange Sicht möglich sind, ist ungeklärt. Es gibt Stand Heute keinen Grund sich Sorgen zu machen, man könne sich ganz aktuell ein zweites mal anstecken. ((https://www.netdoktor.de/news/corona-kann-man-sich-zweimal-infizieren/))

Da sind wir wieder bei der Verdrehung von Faktenlagen: Wie oft habe ich in der Bevölkerung nun gehört, dass man aufpassen müsse. Man könne sich wieder anstecken. Oft genug habe ich auch schon gehört, dies sei tatsächlich in größerem Maßstab passiert. Das sind schlicht alternative Fakten. Die angeblichen Fälle aus Asien wurden in der Presse für kurze Zeit breit getreten. Inzwischen hört man nichts mehr davon, weil selbst die Presse weiß, dass sie da Unfug schreibt. Aber: Es ist ja so eine tolle, reißerische Nachricht, dass sich diese in der Bevölkerung wie ein Lauffeuer verbreitet hat. Das perfide: Die Experten der Virologie dementieren, die Bevölkerung ist desinformiert und glaubt, was sie von nächst besten Kumpel erzählt bekommt.

Also, ein Appel: Man kann sich entweder wissenschaftlich fundiert informieren und dann mitreden. Wer das nicht tut: Bitte den Mund halten. Es bringt deinen Freunden, Verwandten und Kollegen nichts, wenn du sie mit Fehlinformationen bombardierst. Im Gegenteil: Du heizt den Kessel der falschen Halbwahrheiten weiter an. Bitte stellt Informationen, die ihr nicht verifiziert habt, nicht als Fakten hin. Wenn es zu einem Thema Fakten gibt, sind Meinungen fehl am Platze.

Aussage: „Ich habe Angst vor den Langzeitnebenwirkungen vom Corona-Impfstoff. Vielleicht sind wir nach der Impfung in einem halben Jahr alle tod? Ich lasse mich nicht impfen, denn es geht um meine Gesundheit. Ich habe schon mit meinen Kollegen gesprochen und die wollen sich auch nicht impfen lassen. Daran, dass das sich so viele nicht impfen lassen wollen, sieht man ja, dass ich Recht habe.“

Zuletzt bin ich mit dem Vorwurf in Kontakt gekommen, dass der neue Corona-Impfstoff doch möglicherweise gefährlich sei. Die Langzeitnebenwirkungen wären nicht klar. Eventuell könne man ja daran sterben. Man wolle sich lieber nicht impfen lassen und habe auch von sämtlichen Kollegen aus der Pflege gehört, man wolle sich nicht impfen lassen. Was ist da dran?

Ist der Impfstoff ausreichend getestet und welche Nebenwirkungen hat er?

Ich beziehe mich mal hier auf den Impfstoff BNT162b2 von Biontech/Pfizer. Tatsächlich handelt es sich um einen neuen, so genannten mRNA Impfstoff ((https://de.wikipedia.org/wiki/BNT162b2)). Doch ist dieser gefährlich? Viele fragen sich, ob dieser Wirkstoff viel zu früh auf den Markt kommt und daher Gefahren birgt. Fakt ist, dass die Entwicklung durch staatliche Gelder, schnellere Genehmigungverfahren durch zusätzliche Mitarbeiter und bereits bestehendes Wissen über MERS-Coronaviren den Entwicklungsvorgang wesentlich beschleunigen konnten.

Dabei wurden keine Phasen in der Entwicklung ausgelassen: Die Zulassung eines Medikaments besteht in der Regel aus drei Phasen. Das war bzw. ist auch für BNT162b2 der Fall ((https://www.gesundheit.de/krankheiten/infektionskrankheiten/atemwegsinfektionen/coronavirus/mrna-impfstoff)). Nach Abschluss der Phase-3-Studien konnten bis November 2020 keine schweren Nebenwirkungen bei den Probanden festgestellt werden. Die Wesentlichen Nebenwirkungen waren Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Schüttelfrost, Gelenkschmerzen und Fieber nach der Verabreichung ((https://de.wikipedia.org/wiki/BNT162b2)). Bedenken, eine mRNA-Impfstoff könne das Erbgut verändern, wird von Experten ausgeschlossen. Natürlich können zu langfristigen Nebenwirkungen noch keine gesicherten Aussagen getroffen werden. Nach Einschätzung von Experten ist jedoch nicht mit langfristigen Risiken zu rechnen ((https://www.gesundheit.de/krankheiten/infektionskrankheiten/atemwegsinfektionen/coronavirus/mrna-impfstoff)).

Keine glaubwürdigen Quellen für Langzeitnebenwirkungen

Mit Ausnahme des verschwörungstheoretischen impfkritik.de, konnte ich keine glaubwürdige Expertenstimme finden, die risikoreiche Langzeitnebenwirkungen vermutet oder gar noch der Impfung abrät. Man sollte daher zu dem Schluss kommen, dass man als Risikogruppe oder auf Grund des Berufs (z.B. Alten-/Krankrenpfleger etc.) zu der Gruppe gehören sollte, die als erstes geimpft werden, dies auch wahrnehmen sollte.

Kann man die Meinung von verheerenden Langzeitwirkungen vertreten und sollte man Sie verlautbaren?

Natürlich kann man zu der persönlichen Auffassung gelangen, dass man die neue Impfung für risikoreich empfindet und Langzeitfolgen fürchten. Es sollte einem aber bewusst sein, dass dies den Erkenntnissen renommierter Experten widerspricht und nicht evidenzbasiert ist, sondern irrationalen Ängsten folgt. Diese Einstellung kann man als Meinung vertreten, aber man sollte keinen Falls anderen versuchen zu erläutern, dies sei rational, wissenschaftlich begründet oder auch nur ungefährlich. Tatsächlich herrscht Einigkeit darüber, dass eine COVID-19 Infektion nach aktuellen Erkenntnissen höchstwahrscheinlich viel schwerwiegendere Langzeitfolgen hat, als dies die Impfung jemals haben könnte.

Wie gehe ich als evidenzbasiert denkender Mensch damit um?

Als externer Zuhörer fühle ich mich bei Diskussionen darüber, die Impfung wegen de facto irrationalen Ängsten nicht durchführen lassen zu wollen, dringend dazu veranlasst die Faktenlage und Meinungen von anerkannten Experten kund zu tun.

Welche Folgen hat es für die Gesellschaft, wenn diese Meinung verbreitet wird?

Lässt sich ein Großteil der deutschen Bevölkerung nicht impfen, hat dies grundlegende Implikationen auf unsere Wirtschaft und unser Gesundheitssystem. Wir sollten die Impfung, wenn irgend möglich, nicht verpflichtend machen, sondern versuchen auf Impfskeptiker und Impfgegner positiv einzuwirken. Lässt sich die Herdenimmunität auf Grund mangelnder Impfbereitschaft nicht herstellen, ist zum Wohle aller aber auch zu evaluieren, ob eine Impfpflicht einzuführen ist. Irrationale Ängste dürfen nicht dazu führen, dass unserem Gesundheitssystem und unserer Wirtschaft eklatante Schäden entstehen.

Fazit

Kommen wir zurück auf falsche Fakten, die unter Umständen als Meinungen getarnt sind. Manchmal ist es ganz einfach diese zu enttarnen, wie die schwarze Wand. Auch sind die meisten „alternativen Fakten“ von Donald Trump leicht zu enttarnen, wenn es auch viele US-Amerikaner gibt, die selbst das nicht zu tun scheinen. Man bleibt erschreckt und mit Erstaunen zurück.

Keine Pflicht zur Information, Recht zur eigenen Meinung, aber uninformiert bitte keine Meinungen als Fakten verbreiten

Man kann nicht immer alles wissen, aber wenn man von etwas keine Ahnung hat, plädiere ich dafür: Hört zumindest auf das, was anerkannte Wissenschaftler sagen. Bitte verbreitet nicht eure Meinungen, die durch mangelnde Information entstanden sind. Keiner ist verpflichtet sich zu informieren, aber es ist ratsam. Keinem kann verboten werden, eine eigene Meinung zu haben und diese auch kund zu tun. Aber ich appelliere dringend daran, Meinungen, die nicht evidenzbasiert abgeleitet sind, Leuten als Fakten zu präsentieren. Dies ist verwerflich.

Wer sich evidenzbasiert informiert, hat die Pflicht sich einzumischen

Gut ist es immer, sich selbst mit der Materie auseinanderzusetzen und dabei viele Quellen heranzuziehen, die glaubwürdig sind. Überprüft bitte die Glaubwürdigkeit eurer Quellen. Als mündiger Bürger mit evidenzbasiertem Handeln hat man die Pflicht, sich einzumischen, wenn man derartiges beobachtet. Man muss falsche Fakten aufdecken, wenn es einem möglich ist, wissenschaftlich argumentieren und die Verbreitung von ungesundem Halbwissen eingrenzen.

Über unsere Beispiele zu falschen Fakten und nicht evidenzbasierte Meinungen

Die Auffassung, eine weiße Wand sei schwarz ist schlicht falsch und eine offensichtliche Lüge. Gemäß dem kategorischen Imperativ von Kant, kann es nicht impliziert sein, diese Lüge als Fakt zu verbreiten. Die Auffassung, Corona verbreite sich aktuell in irgendeiner Form erheblich durch Zweitansteckungen in Deutschland, ist faktisch falsch. Die Auffassung, die Impfung gegen Corona berge Langzeitfolgen in nennenswertem Ausmaß und das Risiko/Nutzen-Verhältnis sei negativ, widerspricht schlicht den einhelligen Meinungen von Experten und ist nicht evidenzbasiert.

Evident denkende Menschen müssen widersprechen und einwirken

All diesem ist durch aufgeklärte, evidenzbasiert denkenden Menschen strikt zu widersprechen. Ich persönlich empfinde es quasi als meine Pflicht, hier Aufklärung zu betreiben. Leider wird es nicht möglich sein, jeden Menschen von dem zu überzeugen, was gemäß Faktenlage einfach das Richtige ist. Es wird immer Menschen geben, die an Verschwörungstheorien glauben oder irrationalen Ängsten folgen. Aber man sollte zumindest versucht haben, etwas daran zu tun.

Wer irrational denkt und das weiß, sollte seine Meinungen nicht verbreiten

Und an all diejenigen, die dank dieses Artikels erkannt haben, dass sie irrational denken, aber dennoch irgendwie nicht anders können: Verbreitet eure für die Bevölkerung schädlichen Thesen und Meinungen bitte nicht wo immer ihr könnt, insbesondere nicht als Fakten! Jeder Bürger hat Rechte und Freiheiten, aber im Gegenzug auch eine moralische Verantwortung. Nur weil man das Recht auf freie Meinungsäußerung hat und prinzipiell auch Dinge vertreten darf, die der Gesellschaft schädlich sind, entbindet das nicht von Verantwortung.

Müssen wir Grundrechte zum Wohle der Bevölkerung beschränken?

Sollten wir dahin kommen müssen, Menschen und Medien in ihrer Freiheit zu beschränken und zu Dingen zu verpflichten, die eigentlich freiwillig sein sollten, weil der Schaden für die Gesellschaft zu groß wird, wäre dies mehr als nur bedauerlich. Es kann nicht wirklich sein, dass wir hier in Deutschland zum Wohle der Bevölkerung Grundrechte einschränken müssen. Ich hoffe, es muss nicht so weit kommen und dazu kann jeder beitragen.

Schlusssatz

Ich verbleibe mit vielen Grüßen und wünsche allen ein selbstbestimmtes und Corona-freies Leben auf Basis unseres hervorragenden Grundgesetzes, das unsere elementaren Grundwerte zu schützen vermag. Halten wir das Recht auf freie Meinungsäußerung hoch, aber gehen wir geschlossen gegen „alternative Fakten“, irrationale Ängste, Verschwörungstheorien und der Evidenz und Wissenschaft widersprechenden Meinungen vor. Das sind wir unserer Gesellschaft schuldig.

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Quellen